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„Schüler helfen Schülern“
 
Eindrücke von der Albanienreise im September 2018
Teilnehmer: Ursula und Paul Wohlgenannt, Bertram Thaler, Martin Türtscher

   


Was leistet der Verein Schüler helfen Schülern in Albanien?
 
Das Projekt fördert die Entwicklung von Schulen im Fan-Tal, hilft armen Familien durch Sachspenden und erhält eine Tagesbetreuungseinrichtung für ca. 40 Kinder und Jugendliche in der Stadt Shkodra.

   


Was waren die stärksten Eindrücke?
 
Die offenen, aufgestellten, lebensfrohen Kinder in den besuchten Klassen, ihr Können und ihre Motivation! Eindrücklich auch, wie engagiert die Lehrpersonen mit geringen Mitteln ihre Arbeit tun, und das mit sichtbarem Erfolg. Dann die Gastfreundschaft der Menschen, mit denen wir zu tun hatten – berührend angesichts der herrschenden Armut. Albanien bedeutet ein Wechselbad der Gefühle: atemberaubende Landschaften, verwundet durch brutale Eingriffe, Menschen, die im Elend leben, zähe Arbeit für die Menschen auf lokaler Ebene,  im Stich gelassen von staatlichen Behörden, postkommunistische Lethargie und jugendlicher Überlebenswille zugleich.

   

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Ist dieses Hilfsprojekt nachhaltig?
 
In schulischer Hinsicht auf jeden Fall. Die Abschlussklassen der Schule in Klos erbringen im Landesvergleich gute bis sehr gute Ergebnisse. Viele Schülerinnen und Schüler wechseln auf das Gymnasium, alle von ihnen haben im letzten Jahr die Matura bestanden. Der Verein fördert Studentinnen und Studenten, die sich ein Studium in Tirana sonst nicht leisten könnten, mit einem monatlichen Betrag von 70€.

   

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Was hat sich im Fan-Tal seit Beginn des Projekts verändert?
 
Nach und nach wurde allen Kindern der Region der Schulbesuch ermöglicht, heute gehen annähernd 100% der Kinder zur Schule. Zahlreiche Kleinschulen sowie die zentrale Schule in Klos wurden renoviert oder sogar neu gebaut und mit einem Grundbestand an Lehr- und Lernmitteln ausgestattet. In diesem Jahr aber hat die Regierung beschlossen, sämtliche  Schulen mit weniger als 70 Kindern zu schließen! Davon sind einige unserer Schulen betroffen. Als Ersatz wurde ein Schülertransport nach Klos eingerichtet. Die Klassengrößen liegen nun zwischen 15 und 20 Kindern. Was mit den aufgelassenen Schulen passiert, ist noch offen.

   

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Wo liegen die großen Probleme heute?
 
Im Fan-Tal gibt es unendlich viel Arbeit, jedoch kaum solche, mit der sich auch Geld verdienen ließe. Es fehlt an dringend benötigten Investitionen und damit auch an Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Die meisten Menschen überleben nur als Selbstversorger. Die hohe Arbeitslosigkeit begünstigt die Landflucht .Gerade junge Menschen versuchen ihr Glück in den Städten oder im Ausland, z.B. über 3-Monats-Arbeitsvisa in der EU.
Die medizinische Versorgung ist für unsere Begriffe völlig unterentwickelt, beim Thema Müll ist das Problembewusstsein kaum vorhanden, die Straßen und Wege abseits der Autobahn sind meist unbefestigt, das Stromnetz ist veraltet und entsprechend anfällig. Die Trostlosigkeit führt auch zu seelischer Verwahrlosung, Alkohol und Drogen sind ein großes Problem.

   

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Was können Schulen in dieser Situation tun?
 
Neben einer guten Grundbildung für alle dient die Schule einem Teil der Kinder als Sprungbrett in bessere Berufe außerhalb des Tals. Doch damit allein ist dem Tal nicht geholfen. Die Schulen müssten neben der Allgemeinbildung auch praktische Fähigkeiten fördern, die an allen Ecken und Enden gefragt sind und ein Überleben als Selbstversorger erst ermöglichen. Die Schule ist ein Ort der Zukunft, auch wenn die Bedingungen noch so schwierig sind. Eine Polytechnische Schule könnte die Situation verbessern.


Es ist schon viel geschehen – es gibt noch viel zu tun.
 
Ein dankbarer Brief einer jungen Albanerin drückt vielleicht am schönsten aus, dass die jahrelange Entwicklungsarbeit  zumindest einem Teil der Menschen eine hoffnungsvolle Perspektive ermöglicht hat, auch wenn dadurch natürlich noch nicht alle Probleme der Region behoben werden konnten.
  



   

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Einige Sätze aus dem Brief von Sabina:
 
Für mich war es ein wunderbares Gefühl diesen Abschluss zu erlangen, vor allem, dass ich es geschafft habe, innerhalb von drei Jahren alle Prüfungen rechtzeitig zu bestehen……..danke für die finanzielle und menschliche Unterstützung, es war eine unglaublich große Hilfe für meine Familie und mich……..die Jahre während meines Studiums waren nicht immer leicht. Ich hatte Familiensorgen, schwierige Fächer, Prüfungsangst und Stress, aber ihr habt mir den Weg leichter gemacht……

   


Wie können wir einen Beitrag leisten?
 
Das Projekt geht weiter und stellt sich den Aufgaben, die da sind und die kommen werden. Es ist möglich, eine Spende an den Verein zu leisten, einzelne Familien mit einem jährlichen Geldbetrag zu unterstützen oder mit € 15 monatlich das Essen für ein Kind im ASTA-Jugendzentrum zu übernehmen. Daneben freuen wir uns über alle, die aktiv im Verein mitmachen wollen.

Martin Türtscher ( Lehrer aus Satteins )


Kontaktadresse:  paul.wohlgenannt@vol.at                                       Spendenkonto:    SPK Bregenz-Wolfurt
                 Lerchenstr. 4  6922 Wolfurt
                 05574/78710
                                                                     IBAN: AT62 2060 1005 0000 2498
                                                                                        BIC:  SPBRAT2BXXX                                                        
                                                                                           Schülerhilfe für Albanien








Albanienreise vom 20.05. - 26.05.2018
 
Dabei waren Rainer Martin, Günter König und Paul.



Sonntag : 20.05.
 
7.00 Uhr Abfahrt in Wolfurt - 10.30 Uhr Abflug in Zürich - 13.25 Uhr Ankunft in Rinas (aus Ljubljana) - Essen im Hotel vor Lezha - Fahrt nach Klos - Obst an den Ständen kaufen - Einkauf im Supermarkt für die Tage im Projektgebiet - Quartier - Geldübergabe - Wochenplan besprechen

   


Montag 21.05.
 
Um 8.00 Uhr liefen wir ca. 35 min auf einer katastrophalen
Straße - es hatte geregnet - zum Hauptort Klos  

   

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Klassenbesuche mit vielen schönen Vorführungen

   

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Wir besuchten die Bücherei - fuhren hoch in die Berge zu einer schönen Wiese, machten eine Rast und ein Feuer, damit wir die mitgebrachten Landjäger und Schüblinge grillen konnten ... herrliche Ruhe ... nur wir waren hier ... niemand störte unser Dasein!

   


 
Danach fuhren wir zu einem alten Ehepaar, das hier einsam in den Bergen lebt - ich glaube, wir sind die einzigen Menschen, die auf Besuch kommen.

Nach einer Ruhepause kontrollierten wir die Ausgaben vom Jahr 2017 - jede Rechnung wurde angeschaut.
Kein Fehler konnte entdeckt werden.

   


Dienstag 22.05.
 
Fahrt auf der Autobahn zur Schule Sang - dort besuchten wir 2 Klassen

   


 
Danach fuhren wir auf der anderen Seite einen Berg hoch und schauten uns die Schulen Shengjin und Petoq an - Kinder zeigten uns ihre Hefte, sagten Gedichte auf und sangen Lieder - erstaunlich hohes Niveau.
Die Schule rechts ließen wir 1995 als erste renovieren. Es war der Start für das Projekt "Schüler helfen Schülern".
Viele Lehr- und Lernmittel, die wir finanzierten, schmücken nun die Klassenzimmer.

   

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Am Nachmittag besuchten wir diese Familien !
Sicher die 2 ärmsten Familien im Projektgebiet - wir brachten Lebensmittel, und sie erhielten auch ein wenig Geld.
Beim ersten Besuch im September 2016 sahen wir nur einen Teller, ein Glas, kein Wasser im Haus, keine Heizung,...trostlos !
Auf dem rechten Foto bekam der Mann 5 Tage Urlaub aus dem Gefängnis (Drogen), um die Leute aus Österreich kennen zu lernen.
Die Freude über unsere Hilfe war riesengroß!

   


Mittwoch 23.05.
 
Günter, Rainer, Handwerker Mark und die Dolmetscherin Florjana fuhren zu den Schulen Gjageza und Domgjon, um die Dächer, Kamine,... zu überprüfen

   


 
Die andere Gruppe war im Gymnasium zu Gast . Eine begabte Schülerin überraschte uns mit ihren Zeichnungen. Teils nachgemalt, teils "Eigenproduktion".

   


 
Danach sahen wir ganz tolle Vorführungen ....
In der Freizeit übte der Musiklehrer Fran mit einigen Kindern Musikstücke - ohne Bezahlung - und außerhalb der Unterrichtszeit.
Für 1.000 Euro kauften wir der Schule 10 Shiftelis.
Es gab auch Jazzdance mit selbstgebastelten Papierblumen, es sah sehr hübsch aus.

   

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Anschließend gab es einen Wettkampf gegen das Gymnsium Reps mit den Disziplinen Fußball, Volleyball, Tauziehen und Wettlauf.
Am Nachmittag trafen sich dann der Schulinspektor, der Bürgermeister, die Direktoren und wir zu einem Gadankenaustausch.

   


Donnerstag 24.05.
 
Um 9.30 Uhr verabschiedeten wir uns in Klos und fuhren nach Shkodra zu unserem Hotel am Stadtrand.
Unsere Partner Ndue und Nikoll sowie die Dolmetscherin Ida machten eine Ruhepause - Günter, Rainer und ich liefen in die Innenstadt. Um 16.00 Uhr wurde in der Kathedrale mit vielen Vorführungen 10 Jahre Jugendzentrum ASTA gefeiert.
Die Betreuerinnen und Kinder zeigten vor großem Publikum ein sehr schönes Programm.

Danach besuchten wir mit der Fam. Böhler, mit der Tochter Kaharina und ihrem Partner ( Besuch aus Wolfurt ) noch das Jugendzentrum ASTA  

   


Freitag 25.05.
 
In der Früh hatten wir mit unserem Alb.Team noch eine Besprechung - danach fuhren unsere Partner nach Hause - Günter und Rainer stiegen zur Burg Rozafa hoch, während ich zum Jugendzentrum ASTA lief.

   


 
Höhepunkt für alle - um ca. 12.00 Uhr wurden die ersten Pizzen geliefert - wir sahen nur strahlende Kinderaugen - es ist immer wieder schön Freude zu schenken.

   


 
Nach dem Essen wurde fleißig gelernt - Hausaufgaben, Nachhilfestunden, jedes Kind lernt eine Fremdsprache - einfach toll.

   


 
Am Nachmittag konnten 11 bedürftige Familien besucht und mit Lebensmitteln beschenkt werden.

   


Samstag 27.05.
 
Um 9.30 Uhr Fahrt mit einem großen Auto nach Shengjin ( bei Lezha ), um dort am Meeresstrand ein gutes Frühstück zu genießen, um danach die Heimreise anzutreten.

   


 
Rainer, Günter und ich ich hatten zusammen mit unseren alb. Partnern wieder wunderschöne Tage. Alles ist zu unserer Zufriedenheit gelaufen.
Die Schulen haben von der Lehrerfortbildung ganz viel profitiert, die Stimmung unter dem Lehrkörper und den SchülerInnen  ist zuversichtlich.

Das Jugendzentrum ASTA in Shkodra ist für uns immer wieder eine Freude, wenn man sieht, wie es den Kindern aus sozial sehr schwachen Familien  Freude macht dort zu sein, mit anderen zu lernen, zu spielen und ganz viel Spaß zu haben.

Ich möchte mich bei allen, die dazu beigetragen haben,  herzlich bedanken!

Paul Wohlgenannt

PS:  Mit einem Dauerauftrag von monatlich 15 Euro schenken Sie einem Kind im Jugendzentrum ASTA ein tägliches Mittagessen.






Reisetagebuch Albanien für Anfänger Herbst 2017
 
Samstag, 23. September 2017

Um 14.Uhr 30 setzt unser Flugzeug etwas unsanft in Tirana auf, was Ursula mit der Aussage „Die haben auch hier Schlaglöcher!“ quittiert. Ein Satz, der mich die ganze Woche begleiten wird.

Vorangegangen war eine Fahrt mit „Chauffeur“ Paul nach Zürich, eine leicht hektische Parkplatzsuche und ein verspäteter Abflug mit der Ungewissheit, den Anschlussflug in Ljubljana zu erreichen. Nett, dass das Flugzeug dort auf uns wartete.

   


 
In Tirana angekommen, entschädigt das Empfangskomitee und wunderbares, warmes Wetter für den Reisestress. Ndue, Nikoll, Ida und Mark holen uns ab und mit zwei Jeeps fahren wir in Richtung Lezhe, wo ich erstmals die reichhaltige albanische Küche genieße.
Sie wird mir am Ende der Reise zu einer unerwarteten Gewichtszunahme verhelfen.

Gut gelaunt und gestärkt geht`s  weiter nach Fan. Eine neue Autobahn verkürzt die Anreisezeit mittlerweile von acht auf zwei Stunden. Von Fan fahren wir nach einem kurzen Einkauf im „Supermarkt“ und dem Hinzustoßen von Florjana, unserer zweiten Übersetzerin, über eine wilde Straße im Schneckentempo zum Haus von Dalina inmitten der albanischen Berge. Die wilden Bergstraßen mit ihren „Schlaglöchern“ erinnern mich ab nun jeden Tag an Ursulas lustigen Landekommentar.

Durch einen Weinberg führt ein schmaler Weg zu unserem Haus, welches durch einen Zaun und eine schwere Metalltüre gesichert ist. Hier üblich und notwendig?  Im Hof steht ein Mondfahrzeug?  

   


 
Lukas und Cindy sind nach einer mehrwöchigen Balkanreise mit ihrem „Camper“ überraschenderweise in letzter Sekunde auch noch zum Team gestoßen. Wir sind jetzt neun Leute.

Der Abend verläuft gemütlich mit einer detaillierten Programmbesprechung von Paul vor dem Kaminfeuer im einzigen geheizten Zimmer des Hauses.

Sonntag, 24. September 2017

Strahlender Sonnenschein und ein Frühstück im Freien um 7 Uhr früh eröffnen den Tag. Dalina bringt frisch gebackenes Brot, Paul und Ursula sorgen für ein abwechslungsreiches Frühstück mit dampfendem Kaffee, selbstgemachten Marmeladen, Wurst und Walser Bergkäse.

   


 
Ein dichtgedrängtes Wochenprogramm liegt vor uns und so geht`s bereits um 8 Uhr 30 los,
mit zwei Jeeps hinauf in die albanischen Berge zu einer armen Familie. Valbona, so heißt die junge Frau, lebt mit ihren Kindern und ihrer Schwiegermutter unter für uns unvorstellbaren Bedingungen. Valbonas Mann sitzt im Gefängnis. Der Verein hat hier allerdings schon einiges geleistet, ein Ofen erwärmt wenigstens einen Raum notdürftig, eine Küche wurde ebenfalls eingebaut. Wir bringen Mehl und weitere Lebensmittel mit, damit die Familie über den Winter kommt. Ich bin erschüttert über die Lebensumstände, obwohl ich von meinen Afrikareisen schon einiges gewohnt bin. Hier kommt allerdings die Kälte dazu.

   


 
Auch die Nachbarsfrau Gezim lebt unter ähnlich harten Bedingungen.  

   


 
Auch sie erhält Lebensmittel und eine kleine Geldspende. Anschließend geht`s gleich zurück nach Fan zur Kirche, wo ich in der Messe für die katholische Gemeinde ein, zwei Lieder singen und spielen soll.

Vor der Messe spiele ich mich, auf einer Mauer des Vorplatzes sitzend, im strahlenden Sonnenschein ein.

   


 
Eine Ordensfrau aus Italien erscheint und singt mit mir. „Oh sole mio“ und „Bella Ciao“.  Sie ist trotz ihres hohen Alters sehr temperamentvoll und wir lachen viel gemeinsam. Eine tolle Begegnung.


Die Kirche ist gut gefüllt und letztendlich werden es fünf Lieder und einige Instrumental-beiträge, der italienische Pfarrer scheint an meiner Musik Gefallen gefunden zu haben. Interessant für mich ist, dass es auf Grund des Religionsverbotes während des Kommunismus jetzt kaum katholische Geistliche in Albanien gibt und deshalb italienische Geistliche die Arbeit in den Gemeinden übernehmen. Die Predigt wurde übrigens von einem jungen Albaner vom Italienischen ins Albanische übersetzt. Faszinierend.


 
Nach der Messe ab in den Jeep und auf nach Rreshen zum Mittagessen und einem kurzen Bummel durch die kleine Stadt. Auf dem Heimweg geht es wie beinahe jeden Tag zuerst zur Schule, wo die 8000 Kilogramm Mehl gelagert sind. Wir fassen Mehl für die Familie Frrobu nach. Nach einer unruhigen Fahrt zu unserem Haus in den Bergen, die Straßen sind teilweise grenzwertig, und einer kurzen Ruhepause im Haus fährt das Team zu Familie Frrobu, während ich mich mit der Übersetzerin Ida auf meine ersten Unterrichtsstunden am nächsten Tag vorbereite.

Montag, 25. September 2017

Wie jeden Tag, Frühstück um 7 Uhr 00 früh, wieder prima vorbereitet von Paul und Ursula.
Aber schon um 8 Uhr geht es los zur Schule Klos, wo mich um 8 Uhr 45 meine erste Unterrichtsstunde erwartet. Ich bin gespannt und ganz schnell positiv überrascht über das Interesse und die Disziplin der Gymnasiasten und Gymnasiastinnen. Meine Lektion mit
„Malen zu Klassischer Musik“ gefällt ihnen und alle Beteiligten haben sichtlich Spaß daran.

   


 
In der darauffolgenden Stunde ist dann Singen mit jüngeren Kindern angesagt.

Auch diese Stunde verläuft sehr positiv. Ich singe mit der Klasse einige Lieder wie „Un poquito cantas“, „Everybody loves Saturday Night“, „Bella ciao“ oder meinen „Senegal Reaggae“ mit wenig Text in jeweils mehreren Sprachen, auch in Albanisch, wobei meine Übersetzerin Ida sehr hilfreich ist, da sie auch gerne singt.

   


 
Etwas erleichtert genieße ich dann in der 3. Stunde die Vorführungen des sympathischen Musiklehrers Fran mit seinen Schülern und Schülerinnen. Eine große Gruppe spielt uns mit ihren „Ciftelis“ albanische Volksmusik vor. Faszinierend und auf tollem Niveau. Weiters gibt es Musikstücke mit den Boomwhackers, mit Flöten als auch Gesang und Tanz.

In der 4. Stunde folgen die Vorführungen der Turnlehrerin im Freien. Da geht`s tüchtig zur Sache. Die Kleinsten punkten mit lustigen Turnvorführungen, während die älteren Mädchen leidenschaftlich moderne Choreografien zu Disco- und Popmusik präsentieren.

   


 
Ein Besuch der Schulbibliothek, welche vom Verein ebenfalls jährlich unterstützt wird, beendet den abwechslungsreichen Vormittag an der Schule. Zum Essen geht`s kurz an die Autobahnraststätte und unterbricht das dichtgedrängte Tagesprogramm angenehm. Daraufhin folgt die Mehlverteilung an der Schule, jedes Kind erhält 10 Kilogramm Mehl.  Ein Besuch der Familie Lushi Frroku beendet das offizielle Programm.

Am Abend mache ich meine erste Erfahrung mit „Skanderbeu“, dem albanischen Cognac, nach einer von Baba Paul vorbereiteten Jause. Interessante Gespräche mit unseren albanischen Teammitgliedern Ndue und Nikoll, bestens übersetzt von Ida und Florjana, führen mich in die Geschichte Albaniens ein.

Dienstag, 26. September 2017

Kalt und regnerisch ist es nun. Frühstück im Freien wie immer und Abfahrt mit Ida und Mark bereits um 8 Uhr 15 zur Schule Klos, wo ich mit der 7. Klasse wieder „Malen zu Klassischer Musik“ unterrichte. Wieder sind die Kinder begeistert und anschließend schenke ich Fran die gesamten Unterrichtsmaterialien, welche er dazu benötigt. Zeichenpapier, Malstifte, Spitzer, Klebstreifen etc. Ihm haben die Lektionen gut gefallen, obwohl er diese Art von Musikunterricht nicht gekannt hat. Schade, dass nie die Zeit blieb, mich mit ihm eingehender über albanische Musik zu unterhalten. Eine Lektion über die ungeraden Taktarten und die melodischen Verzierungen mittels Vierteltönen hätten mich brennend interessiert.

   


 
Während meiner Musikstunde besuchte das Team die Volksschule Konaj und Valbonas Nachbarin, um auch ihr noch Mehl für den Winter zu bringen. Anschließend trafen wir uns an der Schule Klos und besuchten ein Volleyball-Match. Die Mädchen brachten dabei die Jungen ziemlich zum Schwitzen. Lustiges Detail: Die Dressen der Mädchen trugen die Aufschrift FC Höchst und auf der Vorderseite das Logo der Firma BLUM.

Weiter ging`s zur Schule Petoq, einer Kleinschule mit nur drei SchülerInnen. Die Landflucht in diesem Bergtal ist enorm. In den letzten Jahren wurden mehrere Schulen geschlossen. Eigentlich verständlich, die beruflichen Perspektiven in den Bergtälern sind sehr gering und die Städte boomen nach meiner subjektiven Einschätzung doch ziemlich.

Als ob wir nicht bereits hoch genug in den Bergen wären, ging es noch mal viele Kilometer hinauf in Richtung Berggipfel. Auf einer romantischen Wiese entfachte unser Fahrer und Tausendsassa Mark gekonnt ein Feuer. Wir grillten Landjäger und Schüblinge. Gut war`s in Kombination mit einem „Tirana“, dem albanischen Bier. Eine Tanzeinlage von Mark zu albanischer Discomusik aus dem Autolautsprecher sorgte für allgemeine Erheiterung, auch Ida erwies sich als gute Tänzerin.

Während die Jeeps anschließend auf der Straße talwärts fuhren, gingen wir zu Fuß abwärts zum „Haus“ des alten Malers Mark und seiner Frau Brenda. Vom „Haus“ war nicht mehr all zu viel übrig und das, was ich gesehen habe, nicht mehr lebenswert. Voller Stolz zeigten sie uns ihren „Neubau“, ein Zwei-Zimmer-Häuschen mit Betonboden und kärglich eingerichtet.
Wir überbrachten dem alten Paar Mehl und eine kleine Spende. Unvergesslich die Freude des Malers über das Wiedersehen mit den Teammitgliedern, er redete wie ein Wasserfall und lachte, lachte, lachte mit seinem letzten Zahn.

   


 
Weiter ging`s zum Haus eines Taubstummen. Ein beeindruckender, großgewachsener Mann mit einer netten Frau und einem schüchternen, ebenfalls taubstummen Sohn. Verzweifelt versuchte er mir zu erklären, dass das Haus an der Rückwand einsturzgefährdet ist, was ich aufgrund der tiefen Risse auch selbst sah. Solche Situationen der Hilflosigkeit gehen zu Herzen, in Albanien sind sie leider an der Tagesordnung und es war für mich nicht immer einfach, damit umzugehen.

Nein, noch war nicht Freizeit angesagt, denn Paul hatte noch eine Überraschung im Köcher. Nur 200 Meter hieß es am Ende des Talkessels ... ja, er meinte wohl 200 Höhenmeter ... aufwärts über einen kleinen, äußerst steilen Trampelpfad zur Familie Pjeter Keci, wo wir ein weiteres Haus, das kurz vor dem Einsturz stand, besichtigten. Die Küche sicherheitshalber bereits im Freien.

Daneben waren mehrere Männer mit einem Neubau beschäftigt. Ein hübsches Häuschen, aber null Isolation. Auf den Dachbalken ruhte nur ein dünnes Blechdach, keinerlei Isolationsmaterial unter dem Dach oder an den Wänden. Und das bei Temperaturen von bis zu Minus 25 Grad im Winter??
Dann endlich Freizeit, Kaffee trinken und im „Supermarkt“ einkaufen im Dorf, Heimfahrt ins Quartier und ein gemütliches Zusammensitzen am Kamin.

Mittwoch, 27. September 2017

Morgendliche Prozedur wie üblich, heiß duschen bei gefühlten 5, 6 Grad, hier schon Luxus, helfen gegen mein Verwöhnt-sein im „Ländle“, anschließend Frühstück, jeweils mit frischem Brot von Dalina.

Los geht`s gleich um 8 Uhr mit dem Besuch der Schule in Gjageza. Esmeralda, die hübsche Frau unseres Fahrers Mark ist dort Lehrerin in einer Kleinschule mit nur fünf Kindern. Eine lustige Theatervorführung erwartet uns. Schön, wie ernsthaft die Kinder bei der Sache sind, und ellenlange Texte auswendig präsentieren. Das erinnert mich an Vorarlberger Kinder in den 50iger und 60iger Jahren.

Anschließend geht`s umgehend nach Domgjon, wo ich eine weitere Unterrichtsstunde mit Singen halte. Auch hier sind die Kinder begeistert. Anschließend besuchen auch wir eine Musikstunde des Musiklehrers Fran. Er scheint hier überall Musikunterricht zu geben. Tolle Cifteli-Musik und traditionelle Tänze von hübschen Mädchen in bunten Trachten begeistern

   


 
Nach einer kurzen Kaffeepause erhalten alle Schüler ihre Mehlration und wir folgen einer Einladung zum Mittagessen ins Haus von Florjana, unserer zweiten Übersetzerin.

Hier werden wir ziemlich verwöhnt. Salate, Gemüse, Oliven usw. dazu eigenartig dicht „geschichtete“ Omeletten, die mir gut schmecken. Auch das Haus ergibt ein ganz anderes Bild. Ein Neubau mit einem wunderbaren, modernst gefliestem Bad. Im Laufe des Gesprächs erfahre ich, dass der älteste Sohn in Belgien arbeitet und seinen Eltern dieses Haus umgebaut hat. Er muss sehr geschickt sein und seine Familie sehr lieben.

Während Paul und ich rasten, wandert das Team zur Quelle. Nachher gibt es in der Schule Klos eine Besprechung mit den Direktoren und anschließend mit den Studenten.

Das Abendessen im Haus von Nikoll, entpuppt sich trotz einer großen Auswahl an Gemüse und Salaten als Kalorienbombe, jedenfalls muss ich spätestens bei der „Ziege“ passen. Die Gastfreundschaft und Großzügigkeit der Menschen in Albanien, auch der Mittelstand hat ja nicht viel, wird mir wohl für immer Erinnerung bleiben. Dank an Nikoll, und besonders an die Frauen, die rund um die Uhr in der Küche werkelten um uns zu verwöhnen.

   


 
Donnerstag, 28. September 2017

Letztes Frühstück und Abschied von Dalina und ihrem Haus inmitten der Weinberge. Ein bisschen Wehmut macht sich breit, als wir um 8 Uhr 30 abfahren, in Klos noch im Supermarkt die Wochenrechnung begleichen und uns von Florjana verabschieden.

Dann erfolgt die lange Fahrt über die neue Autobahn talauswärts nach Lezhe. Während einer Kaffeepause besorgt mir Mark in der pulsierenden Stadt noch albanische Musik und ich kaufe mir ein Cifteli.

Kurz darauf geht es weiter nach Shkoder, einer noch größeren Stadt, wo wir in einem tollen Hotel absteigen und gleich eine Kleinigkeit im Garten essen. Direkt daneben fließt ein kleiner Fluss und es wird mir zum wiederholten Mal klar, dass Albanien in Sachen Kanalisation und Müllentsorgung noch großen Aufholbedarf hat. Schade um die wunderbare Natur!

Am Nachmittag geht`s zum Jugendzentrum ASTA ins Zentrum von Shkoder. Meine letzte Musikstunde mit Kindern und Jugendlichen verschiedenen Alters. Zwei Mädchen spielen noch Geige und am Ende der Stunde wollen die Kinder gar nicht mehr aufhören zu singen. Immer wieder kommen einzelne nach vorne, stimmen Lieder an und machen ihre Show.
Die Stimmung ist richtig ausgelassen und die herzlichen Umarmungen einiger Kinder zeigen mir, dass ich das wohl gut gemacht habe, wenn solche warmen Emotionen entstehen.
Nun steht der Einkauf von Nahrungsmittel für bedürftige Familien an. Frida, die hübsche Leiterin des Jugendhauses, Angela und Kola helfen uns dabei. Anschließend besuchen wir drei Familien und bringen ihnen die Lebensmittelpakete vorbei. Über die Schicksale dieser Familien möchte ich lieber nicht reden. Die restlichen Pakete werden dann am Freitag ohne mich verteilt.
Auf der Fahrt durch die Stadt bekunde ich mein Interesse an den Romas und Frida fährt mit uns spontan in eine Roma-Siedlung am Stadtrand und organisiert einen kurzen Besuch in einer Roma-Wohnung. Ich kann mir ein kurzes Bild machen und es mit meinen Erfahrungen in Rumänien vergleichen. Subjektiv gesehen macht das auf mich den Eindruck, als würden die Roma in Albanien etwas besser bzw. toleranter behandelt.

   


 
Nachdem dies für mich der letzte Tag in Albanien ist, essen wir „nobel“ in einem Restaurant am Fluss zu Abend. Das riesige Restaurant bietet eine absolut tolle Küche und von der Ausstattung her hohes, westliches Niveau mit ein bisschen Kitsch dazu. Todmüde lassen wir uns nach einigen Gläschen Rotwein und einer letzten, heißen Diskussion mit Lukas, Nikoll und Ndue ins Bett fallen. Die arme Ida musste wieder mal bis zum letzten Wort übersetzen!

Freitag, 29. September 2017

Frühstück und guten Kaffee in der Hotel-Lounge mit anschließender Schlussbesprechung.
Direkt über dem Hotel in Shkoder thront eine riesige Burganlage. Zum Abschluss fuhren Dolmetscherin Ida, Nikoll, Ndue, Lukas, Cindy und ich noch für eine kurze Besichtigung zur Burg hoch. Riesige Ausmaße – eigentlich eine Stadt innerhalb von Befestigungsmauern -hinterließen einen nachhaltigen Eindruck. Die Schattenburg nimmt sich dagegen wie ein Spielzeug aus.


 
Anschließend hieß es für einen Teil des Teams Abschied nehmen. Während Paul, Ursula, Lukas und Cindy noch in Shkoder blieben um mit Frida die restlichen Pakete an die Familien zu verteilen, fuhr ich mit dem Rest des Teams nach Tirana zum Flughafen. Leider musste ich aus familiären Gründen die Heimreise einen Tag früher antreten.
Die lange Wartezeit verkürzte ich mir mit einem guten Buch, dann ging es via Ljublijana nach Zürich und von dort mit dem Zug nach Hause.
Eine wunderbare Reise hinterlässt viele tiefe Eindrücke. Wieder was gelernt über unsere Welt.

Herzlichen Dank für die Gastfreundschaft und das Engagement an die neuen albanischen und österreichischen Freunde!

Wolfgang Verocai
Im Oktober 2017






Projektreise vom 20.05. - 27.05.2017
 
Paul Wohlgenannt, Joly Rohner, Gustl Rohner

Samstag 20-05-17

Pünktlich um 13:40 setzt die  Bombardier CRJ900 der ADRIA Airways sanft auf der Rollbahn des Tirana International Airports „Nene Tereza“ (Mutter Teresa) auf. Für Paul sind diese Projektreisen längst Routine, für uns beide beginnt mit dem erstmaligen Betreten albanischen Bodens, eine spannende Woche in einem uns bisher unbekannten Land.
In der Ankunftshalle erwarten uns bereits Ndue und Nikoll die beiden tragenden Säulen des Hilfsprojekts im Fan-Tal und Ida die Dolmetscherin, naturgemäß der Mittelpunkt jeglicher Konversation mit den Einheimischen. Der freundlichen Begrüßung folgt die Fahrt Richtung Lehze, vorbei an unzähligen Straßenhändlern, die eine beeindruckende Vielfalt an Früchten und Gemüse anbieten. Bereits auf diesen ersten ca. 35 km unserer Fahrt sind die Nachwirkungen der von 1945 bis 1990 dauernden Abschottung durch das kommunistische Regime, sichtbar – zerfallene Häuser, verwahrloste Felder, hässliche Industrieruinen usw.  

   


 
Wenig später verschafft uns der Wunsch nach Speis und Trank eine angenehmen Pause in einem  ausgezeichneten Restaurant an der Strecke. Hier gesellt sich Mark zu uns, der uns in den nächsten Tagen mit seinem legendären 4 x 4 Landcruiser (Bj. 1985) im wahrsten Sinne des Wortes über die Schotterwege und Schlaglöcher der Region Mirdita „schaukeln“ wird.  Die Weiterfahrt  zu unserem  Zielort  Klos bringt uns auf die monströse, aber wenig genutzte Autobahn E 851, welche über ca. 120 km bis an die kosovarische Grenze führt. Schockierend für uns, wie durch den rücksichtslosen Bau dieser Straße, die wunderschöne Berglandschaft des Fan Tales verunstaltet und wichtige Verbindungswege für die Bewohner der beiden Talseiten unterbrochen wurden.
Angekommen in Klos, machen wir einen kurzen Halt beim lokalen „Supermarkt“, bei dessen Betreten wir uns in die 50-er Jahre zurückversetzt wähnen. Sowohl das Ambiente, die Geschäftsführerin als auch die Preise der Waren erinnern an eine fast vergessene  Zeit.  

   


 
Anschließend erleben und erleiden wir zum ersten Mal die ca. 4 km lange Fahrt vom Tal hinauf zu unserem Quartier in den Bergen, wo uns Dalina der gute Geist des Hauses (Vermieterin und Haushälterin) bereits erwartet. Wir beziehen unsere Zimmer und machen es uns später am Abend am Kaminfeuer gemütlich. Dabei wird der Wochenplan mit allen Beteiligten besprochen und auch Bekanntschaft mit dem albanischen Wein gemacht.


Sonntag 21-05-17

Der heutige Tag beginnt bei überraschend kühlem Wetter mit einem Outdoor-Frühstück, zu welchem Dalina ihr frisch gebackenes, herrlich duftendes Brot beisteuert. Mit Freude vernehmen wir, dass  ein Ausflug nach Prizren, der zweitgrößten Stadt des Kosovo unternommen wird. Den Weg hinunter nach Klos schaffen wir locker zu Fuß in 40 Minuten – und gegenüber der Fahrt im Geländewagen sehr rückenschonend! Es erwarten uns dort die zweite Dolmetscherin Florjana aus dem nahen Ort Domgjon als auch Nikoll und Mark mit ihren Autos. Von hier geht es direkt auf der bereits erwähnten Autobahn E 851 durch das tief eingeschnittene Tal der Fan und wir bestaunen das imposante Bergland der Region Mirdita. Etwa 20 km nach der Stadt Kukes erreichen wir bei Rexhaj den Grenzübergang zum Kosovo. Die Grenzbeamten arbeiten hier in eher gemächlichem Tempo.

Eine hübsche Anekdote dazu: Meine höfliche Bitte um einen Einreisestempel in den Reisepass wird von der Grenzbeamtin wohlwollend aufgenommen. Sie durchsucht längere Zeit erfolglos ihren Schreibtisch und verschwindet dann in ein anderes Büro. Nach mehreren Minuten kommt sie zurück und erklärt mit großem Bedauern, dass der Mann mit dem Stempel heute leider nicht da wäre.  

   


 
Die Besichtigung der 180.000 Einwohnerstadt Prizren, heute fast ausschließlich von Albanern bewohnt, bringt uns irgendwie in eine andere Welt. Das Stadtbild ist stark osmanisch geprägt. Wir sind sowohl von der Altstadt mit ihren engen Gassen, als auch von der Festung, der Sinan-Pascha-Moschee und der osmanische Steinbrücke über den Fluss Bistrica echt beeindruckt. Ein umfangreiches albanisches Mittagessen rundet den Stadtbesuch ab, bevor wir uns wieder auf den Rückweg nach Albanien machen.
    
Im Einkaufszentrum “Marke Tante Emma” in Klos, erfreuen wir die Chefin mit einem Großeinkauf. Die Lebensmittel sind bestimmt für eine Familie hoch oben in Konaj. Dorthin fahren uns im Schritttempo, Nikoll und Mark in ihren allradgetriebenen Geländewagen, auf einem felsigen Pfad, für welchen das Wort Straße, eine maßlose Übertreibung ist.


 
Passend zu dieser schwer verdaulichen Anfahrt auf den Berg, erwartet uns dort mit Valbona, einer vierfachen jungen Mutter, das personifizierte Elend. Die unbeschreibliche Armut an diesem gottvergessenen Ort zwang die Frau, zwei ihrer Kinder in die Obhut von Verwandten zu geben. Ihr Mann sitzt derzeit hinter schwedischen Gardinen und so quält sie sich mit ihrem 6 Monate alten Baby, dem  vierjährigen Sohn und einer dominanten, verhärmten Schwiegermutter über die Runden. An dieser Stelle sehen wir uns zum ersten, aber nicht letzten Mal, mit einer gewissen Hoffnungslosigkeit  konfrontiert. Mit den großzügig zusammengestellten Lebensmitteln und ein paar heimlich der jungen Mutter zugesteckten Geldscheinen, bringen wir ein wenig Licht in den düsteren Alltag dieser bedauernswerten Menschen.

   


 
Auf der Rückfahrt in unser Quartier beunruhigt uns der Zustand des gefährlich steilen Weges nicht mehr, es sind ganz andere Gedanken die uns bewegen……..

Am Abend treffen wir uns alle wieder im Wohnzimmer beim Kaminfeuer - es ist weiterhin viel zu kalt für die Jahreszeit – und lassen den zu Ende gehenden Tag Revue passieren.

Montag 22-05-17

Nach dem Frühstück in der Pergola beim Haus, bei etwas angenehmerer Temperatur als am Vortag, starten wir zum Fußmarsch hinunter ins Dorf. Neugierig betreten wir das große Schulgebäude in Klos, in welchem sowohl die Volks- und Mittelschule, als auch das Gymnasium untergebracht sind. Dieses Gebäude stellt zweifellos Zentrum und Schwerpunkt des regionalen Bildungswesens dar. Wir haben ein kurzes Meeting mit dem Schuldirektor und dürfen danach mehrere Klassen besuchen. Die Beschreibung des hier Erlebten würde mehrere Seiten füllen. In wenigen Worten zusammengefasst sind es:  totals Engagement der Lehrpersonen, sowie Begeisterung, Optimismus und Dankbarkeit der Kinder und Jugendlichen. An dieser Stelle dürfen das gute Bildungsniveau der Lehrpersonen und die überdurchschnittlich guten Englischkenntnisse mehrerer MittelschülerInnen erwähnt werden.
Bemerkenswert auch das Selbstvertrauen und der Stolz der SchülerInnen beim Singen, Rezitieren, Tanzen, und Musizieren. In dieser Bildungseinrichtung  sehen, hören und fühlen wir, was Paul und Ursula in den mehr als 20 Jahren ihrer Projektarbeit bewegt und bewirkt haben – Chapeau !  

   

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Nach einer kurzen Inspektion der perfekt organisierten und bestens bestückten Schulbibliothek verlassen wir wehmütig diesen Ort der Hoffnung, an welchem wir in so viele glückliche Kinderaugen blicken durften. Was wird wohl aus ihnen, in einem Land in welchem  Kriege und Diktatur fast unheilbare gesellschaftliche und wirtschaftlche Wunden hinterlassen haben?
Anschließend steht eine wirklich aufregende Fahrt unseres 8-köpfigen Teams in die Zapes Berge auf dem Programm. Unwegsames Gelände, schroffe Felsen, tiefe Schluchten und herrliche Blicke ins Fan-Tal begleiten uns zu einer kleinen Hochebene an das gefühlte Ende der Zivilisation. Nur unser Chaffeur Mark, der unerschrockene Mann fürs Grobe ( Jäger, Abenteurer, Outdoorfreak usw.) konnte diesen Platz finden. In wenigen Minuten zaubert Mark ein Lagerfeuer ins steinige Gelände und Paul packt seine verborgenen Schätze aus………..…Dalina’s selbst gebackenes Brot, Getränke, Landjäger und Käse aus dem fernen “Ländle” . Alles schmeckt vortrefflich in dieser unberührten Natur, ganz besonders die gegrillten Landjäger, die Paul am liebsten in angekohltem Zustand zu sich nimmt.

   


 
Auf der Rückfahrt gilt unser kurzer Besuch einem anderen Mark. Einem alten, einsamen Mann - Künstler, Dichter und während des Kommunismus verfolgter Oppositioneller – der mit seiner Frau Brenda, einem stolzen Hahn und einigen eierspendenden Hühnern in einer abgelegenen, menschenunwürdigen Behausung wohnt. Groß ist seine Freude, nach mehreren Monaten wieder einmal seine Freunde vom Fan-Team wiederzusehen und eine geschenkte Zigarette zu genießen. Mark plappert ungebremst dahin und merkt gar nicht, dass Ida den Versuch einer Simultanübersetzung längst aufgegeben hat. Da Mark den hochprozentigen Getränken des öfteren huldigt, überreichen wir seiner Frau ein paar Geldscheine als Haushaltsbeitrag. Für dieses freundliche, irgendwie entwurzelte Ehepaar bietet das Leben keinerlei Perspektiven mehr.

   


 
Ida, Joly, Ndue und ich treten aus sportlichen Gründen und wegen des inzwischen sonnigen Wetters den Heimweg zu Fuß an und kommen nach mehr als einer Stunde in unserer Unterkunft an. Während dieser Wanderung auf staubiger Schotterstraße, müssen wir die traurige Todesfahrt einer Ziege auf einem Kleinmotorrad mit ansehen……das bedauernswerte Tier wird zur Schlachtung gefahren.

   


 
Dienstag 23-05-17

Heute stehen weitere Besuche von Schulen, welche von “Schüler helfen Schülern” unterstützt werden, auf unserem Tagesprogramm. Wir fahren zunächst zur Schule in Sang. Allerdings gibt es nur ein kurzes Gespräch mit einer Lehrperson, da die Schüler einen freien Tag haben. Es finden die zentral abgehaltenen Abschlussprüfungen  in Klos statt. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass trotzdem 3 Kinder in ihrem unbändigen Lernwillen zur Schule gekommen sind und sich der Lehrer freiwillig ihrer annimmt. Ob sich sowas bei uns auch ereignen könnte?
Auf dem Weg nach Shengjin besuchen wir in Sang noch eine arme Familie mit 4 Kindern und bringen mit dringend gebrauchten Lebensmitteln ein wenig Freude in deren tristen Alltag.
Die Fahrt nach Shengjin selbst führt wieder in die Berge. Dort werden wir im Kindergarten und der einklassigen Volksschule mit Liedern und Gedichten herzlich willkommen geheißen. Es folgt ein Gespräch mit dem Schuldirektor, der sich zufrieden mit der derzeitigen Situation zeigt.

   


 
Nach dem Mittagessen in einer Raststätte an der Autobahn in der Nähe von Klos macht sich Mark einen Spass daraus, mit uns einen (gefühlt) senkrechten Schotterweg hinunterzufahren. Allerdings enttäuschen wir ihn ein wenig indem wir völlige Furchtlosigkeit zur Schau tragen. Also diese Prüfung endet mit 1 : 0 für Österreich.

Es geht zurück in den “Supermarkt” nach Klos, wiederum zum Einkauf von Lebensmitteln für eine andere hilfsbedürftige Familie etwas oberhalb des Ortes. Der psychisch schwer angeschlagene Ehemann mit Alkoholproblemen zeigt sich über die Sachspende nicht besonders erfreut und fragt uns nach Bargeld. Dieses überreichen wir von ihm unbemerkt seiner bedauernswerten Frau.  Den Arbeitstag beschließen wir nach einer kurzen Pause in unserem Domizil mit einem Spaziergang zu einem ärmlichen Haus in Konaj, wo wir dem dankbaren Gatten einer krebskranken Frau etwas Geld überreichen. Zurück im Quartier machen Paul und Joly eine Zwischenkontrolle der Finanzen. Der Abend klingt schließlich mit interessanten Gesprächen, einem langen Vortrag von Ndue zur Geschichte von Albanien und natürlich mit dem einen oder anderen Gläschen Wein langsam aus.

Mittwoch 24-05-17

Nach den sintflutartigen Regenfällen  die in der Nacht lautstark auf das Blechdach des Hauses niederprasseln und sich schlafstörend auswirken, treffen wir uns an diesem sonnigen Morgen zum üblichen Frühstück im Freien. Paul als Frühaufsteher und Mannschaftskapitän (um im Fußballerjargon zu sprechen) hat wie immer schon den Kaffee gebraut und den Tisch gedeckt.


 
Der erste Besuch an diesem Mittwoch gilt der einklassigen Volksschule in Gjageza, wo Mark’s Frau Esmeralda unterrichtet. Wir werden von den Kindern wie üblich mit Gesangsdarbietungen verwöhnt. Ein Mädchen verzaubert uns mit sanften Melodien auf der Cifteli, einer albanischen Langhalslaute.

Während wir im Klassenraum sind, kommt Mark unserem Wunsch nach ein paar Kirschen auf seine rustikale Art nach. Er schleppt kurzerhand mehrere vollbehangene Äste eines Kirschbaumes herbei! Trotzdem, die Kirschen schmecken vorzüglich, auch wenn sie gestohlen sind.

Ein typisches Bild in dieser armseligen Gegend bietet sich uns in unmittelbarer Nähe des Schulhauses. Wie viele andere auch, führt dieser alte Bauer seine wertvolle und einzige Kuh, den ganzen Tag an einem langen Seil auf  Nahrungssuche durch das spärlich bewachsene Gelände.  

   

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Nach diesem Besuch in Gjazega fahren wir nach Domgjon, in das Heimatdorf von Florjana und Ndue. Auch diese Volks- und Mittelschule ist bestens geführt und das Gebäude hinterlässt einen gepflegten Eindruck. Auf dem angeschlossenen Sportplatz wird in der Pause Volleyball gespielt und im Schulhof herrscht eine ausgelassene Stimmung. Wie fröhlich und zufrieden sind diese Kinder in und mit ihrem bescheidenen Alltag.

In den Klassen gibt es natürlich wieder Gedicht- und Gesangsdarbietungen, wie immer mit einer gehörigen Portion Pathos vorgetragen.

   

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Gerne folgen wir anschließend der Einladung der Schuldirektorin zu einem kleinen Umtrunk in ihr nahegelegenes Haus. Auch bei Florjana’s Familie - den Eltern und ihrem jüngeren Bruder – machen wir einen Besuch und wir nehmen die Einladung zu einer Jause gerne an.
Am Nachmittag treffen wir uns im Direktorzimmer der Schule in Klos zu einer Abschlusskonferenz mit den Schuldirektoren und dem Ortsvorsteher der Fan-Tal Gemeinden. Es werden die Eindrücke der Schulbesuche in den vergangenen Tagen kommentiert, Vorschläge und Wünsche unterbreitet und gegenseitiger Dank für die gute Zusammenarbeit ausgesprochen. Es kommen aber auch die überdurchschnittlich guten Leistungen der Schüler im Fan-Tal zur Sprache, was natürlich sehr ermutigend für zukünftige Investitionen in die Bildungsarbeit ist.

Im Anschluss wird in der nahegelegenen Autobahnraststätte mit allen Konferenzteilnehmern ein Abschlusskaffee eingenommen und nach der Verabschiedung fahren wir in unser Quartier und gönnen uns eine Pause. Um 18:00 sind  wir bei Nikoll’s Eltern in Konaj eingeladen, wo wir mit einem opulenten, mehrgängigen Abendessen verwöhnt werden.  Auf der Heimfahrt kommt Mark wiederum nicht umhin, uns eine seiner zahlreichen Fahrkunsteinlagen zu bieten. Diesmal besteht die Vorführung darin, dass er über einen längeren Abschnitt auf der steilen, dunklen, schmalen und kurvenreichen Schotterpiste ohne Licht abwärts fährt. Natürlich sind wir restlos begeistert…….

   


 
Donnerstag 25-05-17

Der Tag unseres Abschieds in Klos ist gekommen. Wir verstauen unsere Gepäckstücke im Landrover von Nikoll und im Land Cruiser von Mark. Dalina bleibt zurück zum Aufräumen des  Quartiers und von Florjana (Dolmetscherin), verabschieden wir uns vor der Schule in Klos.
Unser nächstes Ziel ist der Kindergarten und die Volksschule von Shtrungaj. Dorthin gelangen wir auf der Autobahn Richtung Shkodra und über eine lebensgefährliche, kaum erkennbare Autobahnausfahrt. Im spitzen Winkel müssen wir gegen unsere Fahrtrichtung eine hohe Bordsteinkante überwinden und  in einen steil abfallenden Schotterweg abbiegen. Dies lässt sich nur durch Rückwärtsfahren und Reversieren auf der Autobahn bewerkstelligen. Eine straßenbautechnische Sensation, für uns eine halsbrecherische Aktion …….für Mark nicht der Rede wert.
Wir fahren lansam zu einem kleinen Haus zur Talsohle hinunter und stellen erstaunt fest, dass wir die Schule erreicht haben.Wir werden schon fröhlich aufgeregt erwartet. Die Wartenden sind eine ausnehmend hübsche Lehrerin, 2 Kindergartenkinder und 4 VolksschülerInnen in einem kleinen, bescheiden eingerichteten, aber schön dekorierten Klassenzimmer.
Die Kinder starten gleich ein wahres Feuerwerk an Gedichten, Gesängen, Spielen und Bastelarbeiten. Wir sind von der Kreativität und der Begeisterung der kleinen Mädchen und Buben beeindruckt und spenden reichlich Applaus für ihre Darbietungen. Als dann das Gespräch auf das nächste Schuljahr kommt, schlägt die Stimmung um und es fließen die Tränen, sowohl bei den Kindern als auch bei der Lehrerin. Der Grund für diese überraschende Wende: Die zwei Ältesten müssen im Herbst in die Mittelschule nach Klos und der Trennungsschmerz innerhalb dieser kleinen verschworenen Gemeinschaft ist jetzt schon riesengroß. Diese emotionalen Minuten rühren auch uns zu ein paar Tränen.  

   


 
Nach herzlichen Umarmungen, Verteilung von ein paar Süßigkeiten und dem Versprechen von Paul, diesem kleinen Ort der großen Freude und Freundschaft weiterhin sein Bestehen zu sichern, geht unsere Fahrt weiter nach Shkodra.
Hier müssen wir uns leider von unserem unerschrockenen und tollen Ralleyfahrer Mark verabschieden. Wir beziehen unsere Zimmer im Hotel Luani-A an der Stadteinfahrt zu Shkodra.
Während Ndue, Nikoll und Ida im Hotel die Erfahrungen und Erkenntnisse der vier vergangenen Tage überdenken und zusammenfassen, machen sich Paul, Joly und ich zu Fuß auf den Weg zum ASTA-Zentrum, einer Tagesbetreuungsstätte für Kinder und Jugendliche aus teilweise zerrütteten und generell sehr armen Familen. Leider begleiten uns Sturm und heftige Windböen auf unserem Spaziergang in die Stadtmitte. Trotz des unwirtlichen Wetters, zeigt sich das Zentrum der 113.000 EW-Stadt Shkodra als moderner, quirliger Ort, der trotz der dominanten Ebu-Bekr-Moschee durchaus ein wenig westliches Flair ausströmt.  
Das ASTA Team ist nicht mehr in der Heimstätte, sondern bereits mit der Vorbereitung einer Abendveranstaltung zu unseren Ehren beschäftigt. Dieser Event findet auf der Bühne eines nahegelegen Gemeinschaftssaals statt. Dort lernen wir auch gleich die überaus liebenswerten Mitarbeiter von ASTA kennen – allen voran die beiden Leiterinnen Angjela und Frida. Diese zwei wahren Perlen des siebenköpfigen Teams sind auch für die Organisation, Choreographie und den Ablauf der  begeisternden Tanz-, Musik- und Spielshow verantwortlich. In die Show sind die mehr als 30 Kinder und Jugendlichen des Projekts und sogar noch einige ehemalige Betreute eingebunden. Unter den Zusehern sind auch Eltern und Bekannte der Kinder und des Betreuungsteams, UnterstützerInnen und ehrenamtliche Helfer, sowie dankbare frühere Projektbegünstigte.

   


 
Nach der Vorstellung  werden wir vom FAN-Team in ein Restaurant zum Abendessen eingeladen. Auch das ist ein bleibendes Erlebnis, da wir die Dankbarkeit, die Freundlichkeit  und die gegenseitige Wertschätzung  erfahren dürfen.

Freitag 26-05-17

Der Tag beginnt mit einem gemeinsamen Frühstück im Hotel. Paul zieht sich danach mit Ida, Nikoll und Ndue zur Schlussbesprechung über die Aktivitäten und die finanzielle Situation der Schulen im Fan-Tal zurück. Wir beide verabschieden uns mit etwas Wehmut vom Fan-Team und nutzen unsere Freizeit zu einer Wanderung  auf die imposante Festung Rozafa hoch über der Stadt. Wir genießen den Rundumblick bis in die albanischen Alpen, auf die Stadt Shkodra, den Skutarisee und auf die Flüsse Drin und Kir.

   

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Später am Vormittag gibt es noch ein Meeting mit Angjela und Frida im ASTA Zentrum. Es werden Gedanken, Vorstellungen und Vorschläge ausgetauscht und Paul und Joly widmen sich der finanziellen Seite des Projekts. Gegen Mittag beginnt sich aufgeregte Betriebsamkeit im Speisesaal des Betreuungszentrums zu verbreiten. Die Kinder sind nach beendetem  Schulunterricht eingetroffen und zur Feier des Tages gibt es dann für alle köstliche Pizzas von einer nahegelegenen Pizzeria. Nach dem Essen wird zur Auflockerung noch etwas gespielt, bevor die Kinder und Jugendlichen nach und nach ihre Schulsachen auspacken und die Betreuerinnen mit ihnen lernen und Hausaufgaben machen.

   

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Wir aber starten zusammen mit Angjela und Frida zu den geplanten Familienbesuchen. D.h. zunächst werden größere Mengen an  Grundnahrungsmittel, Toilettenartikel, Waschmittel etc. eingekauft und gleichmäßig in Kartons aufgeteilt und verpackt. Danach fahren wir zu insgesamt 11 Familien an der Peripherie der Stadt. Hier wohnen in ärmlichsten Verhältnissen die Eltern und Geschwister jener Kinder, welche in der Tagesbetreuung von ASTA die meistens einzige warme Mahlzeit des Tages bekommen. Doch fast noch wichtiger ist, dass sie dort Liebe, Zuneigung und Wertschätzung vom ausgebildeten Betreuungsteam erhalten. Es ist beklemmend und fast unerträglich, die Not und das Elend der Familien hautnah zu erleben. Und die Tatsache, dass die Arbeitslosigkeit der Väter sehr oft zu Alkohol- und Gewaltexzessen führt, verstärkt die gefühlte Hoffnungslosigkeit zusätzlich. Schwer vorstellbar wie die betreuten Kinder mit den konträren Erfahrungen bei ASTA und bei ihren Familien zurecht kommen.

Ein unterhaltsamer Abend in einem vorzüglichen Restaurant  mit dem ASTA Team, mit den älteren Jugendlichen und solchen die nach ihrem altersbedingten Ausscheiden noch freiwillig im Zentrum mithelfen, bildet einen würdigen Abschluss der zwei Tage in Shkodra.

Samstag 27-05-17

Time to say goodbye! Frida und Angjela holen uns um 9:30 im Hotel ab. Der Halbtagsausflug geht nach Shengjin, einem Badeort am Drin-Golf (Gjiri i Drinit). Dort gibt es ein gemütliches Frühstück im Freien bei einer Strandbar. Noch sind keine Touristen hier und das Meer liegt ruhig vor uns. Nur eine Schulklasse treibt sich am Sandstrand herum und verbreitet ein Hauch von Urlaubsstimmung. Angeblich sollen sich in den nahegelegenen, eher unansehnlichen Hotelanlagen die in den letzten Jahren entstanden sind, die Albaner aus dem Inland und aus dem Kosovo im Sommer erholen. Unser Aufenthalt am Strand geht schnell zu Ende und wir fahren vorbei an Lehze an den Ort zurück, wo unsere Albanienwoche ihren Ausgang nahm. Am Mutter Teresa Flughafen von Tirana müssen wir von Angelja und Frida - in unseren Augen auch zwei kleine Mütter Teresa – endgültig Abschied nehmen. Die beiden Frauen sind in unseren Augen das beste Führungsduo, welches man sich für das ASTA Zentrum wünschen kann……………..

   


 
……..langsam durchbricht unsere Maschine die Wolkendecke über der Adria und Sonnenlicht durchflutet den Passagierraum. Wir lehnen uns in den Sitzen zurück und beginnen die Eindrücke der soeben zu Ende gegangenen Projektreise zu verarbeiten. Ganz tief sitzen die Begegnungen mit hoffnungsvollen Kindern und Jugendlichen, mit motivierten und verständnisvollen Lehrpersonen, mit freundlichen und hilfsbereiten Menschen. Aber auch die greifbare Not und Verzweiflung die in vielen Teilen der besuchten Region fühl- und sichtbar sind, beschäftigen uns. Und da sind auch noch die Hauptakteure im Fan-Tal und in Shkodra, nämlich Ndue, Nikoll und Ida sowie Frida und Angjela. Diese starken Frauen und Männer verbreiten Hoffnung an Orten und Situationen, wo dies ganz besonders schwer ist.
Wir sind dankbar dafür, das uns Paul die Möglichkeit gab, ein anderes Europa zu sehen und kennen zu lernen. Und wir bewundern Paul und Ursula für das was sie in den vergangenen 22 Jahren mit ihrem Hilfsprojekt aufgebaut und erreicht haben.

Gustl und Joly Rohner






Albanienreise vom 17.09. - 24.09.2016
 
Teilnehmer: Ursula u. Paul Wohlgenannt, Peter Heinzle

Samstag:  Bereits um 5.30 Uhr holen Paul und Ursula mich ab und wir fahren zum Flughafen nach Zürich. Pauls Auto wird vom Parkservice abgeholt und wir können problemlos einchecken. Wir haben angenehme Flüge nach Ljubljana und weiter nach Tirana.  Am Flughafen werden wir bereits von Ida, Ndue und Nicoll  erwartet und zum gemeinsamen Essen gebracht.
Von dort geht die Fahrt bei zeitweise extremen Regengüssen über die Autobahn nach Klos. Ursula besorgt uns im Supermarkt noch Mineralwasser und Toilettenpapier. Nun darf ich auf der Fahrt zu unserem Quartier für die nächsten Tage zum ersten Mal richtige albanische Bergstraßen genießen. Ich ahne, was da in der kommenden Woche zu erwarten ist….

   


 
Wir werden von  Dalina, dem guten Geist des Hauses, bereits erwartet und dürfen unsere Zimmer beziehen. Den Abend verbringen wir im gemütlichen Wohnzimmer mit albanischem Fernsehprogramm. Gelegentlich übersetzt uns Ida den einen oder anderen Brocken, sodass wir immerhin wissen, worum es geht. Wir gehen relativ früh zu Bett, werden aber durch das heftige Trommeln der Regengüsse aufs Blechdach immer wieder geweckt.

Sonntag: Zu unserer Überraschung fahren wir nach Prizren im Kosovo. Selbst für Paul und Ursula eine absolute Premiere. Wir spazieren durch die sehenswerte Altstadt . In der katholischen Kirche sind wir erstaunt über enorme Bauschäden. Wie uns eine zufällig vorbeikommende Ordensschwester erklärt, wurden diese Schäden durch Bomben im letzten Krieg verursacht und bis heute nicht behoben. Zum Mittagessen fahren wir in die Nähe der mazedonischen Grenze in ein sehr schönes und von den Einheimischen bestens besuchtes Hotel mit hervorragendem Essen.

   


 
Montag:  Erfreulicherweise ist es jetzt wieder trocken. Paul und Ursula haben bereits um 6.30 Uhr das Frühstück im Freien vorbereitet. Wie im besten Hotel gibt es frisches Brot, Wurst, Käse und natürlich köstliche Biomarmelade aus dem Haus Wohlgenannt und dazu noch im Freien vor einer prächtigen Bergkulisse. Vor der Abfahrt nach Klos stößt auch Marjana, unsere 2. Dolmetscherin zu uns. An den Fußweg ins Tal, den Paul eigentlich vorhat, ist nicht zu denken: an vielen Stellen ist es nicht möglich, an den riesigen Wasserlachen vorbei zu kommen.
In der Schule von Klos ist große Aufregung. Einerseits, weil das hier gelagerte Mehl für die umliegenden Schulen von großen Schülern in die wartenden Kleinlastwagen geladen wird, andererseits, weil die Klassen unseren Besuch erwarten. In jeder Klasse, in die wird kurz hineinschauen, tragen Schüler stolz, mit Begeisterung und mit viel Körpereinsatz Texte vor.  Höhepunkte sind allerdings die Aufführung des Buchstabenfestes in der 2. Klasse (uns zu Ehren eine Wiederholung der Aufführung de vergangenen Reise) und die sehr beeindruckende Musikvorführung mit Chor und Begleitung durch verschiedene Instrumente.

   


 
Weniger gefällt uns die Tatsache, dass die Schüler in der Pause jedes Papier achtlos zu Boden werfen und die Reinigungsfrau danach alles auflesen darf. Ursula inspiziert (unfreiwillig) die Toiletten und ist gelinde ausgedrückt entsetzt. Ich selbst wage mich nur bis zur offenen Türe – das reicht!
Am Nachmittag besuchen wir eine Familie und zwei alleinstehende Frauen. Die Mehlübergabe muss wegen eines plötzlich einsetzenden Regengusses auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden.
Am Abend lassen wir beim Kaminfeuer den Abend ausklingen. Der Missstand mit den WCs in Klos und auch die Organisation der Mehltransporte – wir sind der Ansicht, dass auf diese Weise der Unterricht zu sehr gestört wird - sind bei Wein und Knabbergebäck wichtige Gesprächsthemen. Auch in dieser Nacht sind die Regengüsse nicht zu überhören.

Dienstag:  Heute fahren wir zu den Bergschulen. Zuerst nach Shenghin. Auch hier werden wir sowohl im Kindergarten, wie auch in der Volks- und der Hauptschule freundlich empfangen und mit den Beiträgen der Kinder förmlich überschüttet. Jedes Kind will seinen Text zum Besten geben. Besonders auffallend ist – wie auch schon in Klos - die beeindruckende Form der Hefte. In der kleinen Krankenstation gibt uns die Schwester bereitwillig Auskunft über ihre Arbeit.

   


 
In der Zeit bis zur Mehlverteilung fahren wir weiter zu Schule in Petoq. Hier macht die Abwanderung große Probleme. Es sind kaum noch Schüler da.
Auf dem Rückweg will Ida unbedingt Brombeeren pflücken und wir alle dürfen mithelfen. Beim kleinen Laden – kaum zu glauben, dass es so etwas hier gibt -  decken wir uns mit albanischem Berghonig ein. Wie Ursula versichert, ist dieser Honig von ganz besonderer Qualität.
Nun ist es Mittag geworden, und wir dürfen noch bei der Mehlverteilung dabei sein. Ein besonderes Erlebnis ist, wie auch die kleinsten Kinder stolz ihr Mehlpaket schleppen.  

   


 
Mittagessen gibt es heute im Grünen hoch oben in den Bergen. Marc schafft es, einigermaßen trockenes Holz zu finden, dass wir ein Lagerfeuer zum Grillen der Vbg. Landjäger bekommen. Dazu gibt es Käse, Wurst, Bier und Mineralwasser.
Am Nachmittag besuchen wir den „Maler Marc“ und seine Frau Brenda. Er freut sich sehr über unseren Besuch und ist nach wie vor stolz auf den von Ursula organisierten Ofen – wohl das luxuriöseste Einrichtungsstück in seiner Hütte, die auf der Rückseite bereits bedenklich zerfallen ist. Weiter geht es zu einer Familie, der Mann ist taubstumm, ein Kind lebt zu Hause, das andere ist auch taubstumm und lebt bei einer Tante in der Stadt, wo es Hilfe bekommen kann.. Auch hier werden wir herzlich begrüßt und unsere Mehlspende ist sehr willkommen. Der letzte Besuch an diesem Tag gilt der Familie mit 10 teilweise noch schulpflichtigen Kindern. Wir werden innständig um finanzielle Hilfe zur dringend nötigen Renovation des Dachs gebeten und versprechen, darüber zu beraten.

   


 
Der Abend klingt wieder mit Gesprächen bei einem guten Tropfen beim heimeligen Kaminfeuer aus.

Mittwoch:  Heute geht unsere erste Fahrt nicht ins Tal sondern noch höher hinauf in die Volks- und dann in die Hauptschule von  Konaj. Vor der Volksschule erwartet uns eine junge, schwangere Frau. Sie bittet uns flehentlich um Hilfe. Sie wohnt derzeit mit ihrem Mann und den 3 Kindern in einem einzigen, feuchten Raum. Wir versprechen ihr, die Situation vor Ort anzusehen. Es ist schrecklich: 1 Bett für alle, eine abgewirtschaftete Couch, kein Tisch, kein Geschirr, kein Herd. Wie kann man in dieser trostlosen Situation helfen?

   


 
Unser nächster Besuch gilt der Grund- und Hauptschule in Domgjon, wo wir selbstverständlich auch herzlich empfangen werden. Ein vordringlicher Wunsch der Direktorin ist die Anschaffung eines neuen Kopierers, da sich die Reparatur des Alten nicht mehr lohnt.
Am Mittag sind wir bei den Eltern von Marjana zur Jause eingeladen. Es gibt Köstlichkeiten aus dem eigenen Garten und dazu Vbg. Wurst und  Brot von Dalina.  Marjanas Bruder arbeitet schon mehrere  Jahre als Installateur in Belgien und renovierte immer in den Ferien sein Elternhaus -wie er betont – nach europäischem Standard.

Am Nachmittag treffen wir in der Schule von Klos mit den Schuldirektoren, dem Bezirksschulinspektor und dem Bürgermeister der ganzen Region zusammen. Es gibt von allen Anwesenden Lob und Dank an Paul und Ursula. Größere Probleme kommen nicht zur Sprache.
Paul bedankt sich vor allem beim Inspektor, dass er auch die Schulen mit den größten Abwanderungsproblemen trotz der geringen Schülerzahlen noch offenhält.

   


 
Danach treffen wir uns im Dorfcafé bei Giovanni mit den vom Projekt unterstützten Studenten. Sie berichten durchwegs von hervorragenden Durchschnittsnoten und von Leistungssteigerungen gegenüber dem Vorjahr. Eine erfreuliche Situation!

Am Abend sind wir, wie es zur guten Tradition geworden ist, wieder im Haus von Nikoll eingeladen. Seine Eltern freuen sich sehr über unseren Besuch. Nikolls Frau und seine Tochter mit 2 Cousinen sind eigens aus Durres angereist, um für uns zu kochen und zu backen. Wir werden regelrecht mit albanischen Spezialitäten (Gemüse, Aufstriche, Fleisch, Kuchen, Kekse ….) verwöhnt.

   


 
Die aufgetischte Menge hätte allerdings für mehrere Tage gereicht. Mir scheint, dass die größte Sorge der Gastgeber in Albanien ist, dass die Gäste nicht genügend zu essen bekommen.

Donnerstag:   unser Abschiedstag in Fan. Wir genießen nochmals das Frühstück mit frischem Brot von Dalina , bedanken uns für die optimale Betreuung und verladen unser Gepäck wieder  in die beiden Geländewagen.

   


 
Auf dem Weg nach Shkodra machen wir noch einen Abstecher in die Schule von Shtrungaj (die Abzweigung dorthin geht von der Autobahn direkt über den Randstein auf eine extrem steile, holprige Straße).
Ursula wird in der Schule mit einem wunderschönen Blumenstrauß begrüßt und die Kinder spielen für uns mit großem Eifer Rotkäppchen vor. Hier brauchen wir nicht einmal einen Dolmetscher.
In Shkodra beziehen wir unser Hotel am Stadtrand und spazieren in die Stadt.
Im ASTA-Zentrum werden wir überaus herzlich empfangen. Extra für die Gäste aus Österreich gibt es eine beeindruckende Tanz- und Gesangsvorführung im naheliegenden Gemeindesaal. Die Kinder sind tatsächlich mit Leib und Seele bei der Sache.

   


 
Am Abend essen wir in einem Gasthaus nahe des Hotels. Auch hier ist unser Problem die Größe der Portionen. Ich schaffe bei bestem Willen nur die Hälfte des ausgezeichneten Fleisches.

Freitag:   In der Früh hat Paul die Schlussbesprechung mit Ida, Ndue und Nikoll angesetzt. Ich werde davon befreit und darf mich auf den Weg zur Burg machen. Ich genieße den faszinierenden Rundblick und halte ihn natürlich auch in vielen Fotos fest. Leider haben Ursula und ich uns bezüglich des Treffpunkts nach der Burgbesichtigung missverstanden und so warten wir nur wenige Meter voneinander entfernt fast eine Stunde aufeinander. Wir kommen trotzdem noch rechtzeitig ins ASTA-Zentrum, wo Paul und Angela als Erstes die Buchhaltung kontrollieren. Auffallend ist hier die Herzlichkeit, mit der sich die Kinder (derzeit über 50!) und Erzieher begegnen.  Am Mittag gibt es für die Kinder und für uns köstliche Pizza. Am Nachmittag bringen wir zu 8 Familien Lebensmittelpakete. Hier erleben wir nochmals eindrucksvoll, was es heißt, am Stadtrand in schäbigen Wohnblocks oder einfachen Häuschen wohnen zu müssen. Und trotzdem werden wir überall freundlichst willkommen geheißen.

   


 
Vor dem Abendessen machen wir noch einen kurzen Besuch bei Fridas Eltern. Sie wohnen in einer außen etwas vernachlässigten Wohnanlage, haben aber ihre Wohnung sehr liebevoll eingerichtet.
Zum Abendessen im Stadtzentrum sind auch Jugendliche eingeladen, die im Zentrum betreut wurden. Sie pflegen immer noch gute Beziehungen und kommen dort noch oft vorbei, auch um mitzuhelfen, wo sie gerade benötigt werden. Auch Paul und Ursula gegenüber bringt ein Mädchen nach dem Abendessen den Dank aller zum Ausdruck.


 
Samstag:   Auch schon zur Tradition geworden, fahren wir zum Frühstück ans Meer. Leider ist dort bereits Saisonende. Wir finden aber trotzdem ein offenes Strandcafé, wohin uns das Frühstück vom nahegelegenen Hotel mit einem Auto gebracht wird. Sogar die mitgenommenen Eier werden uns als Spiegeleier zubereitet und serviert.  

   


 
Dann heißt es Abschied nehmen. Wir werden noch nach Tirana zum Flughafen begleitet und fliegen von dort wieder über Ljubljana nach Zürich. Da sich dort sowohl Ursulas wie auch mein Handy weigern, eine Schweizer Telefonnummer anzurufen, gibt es noch einige Aufregung, bis wir in Pauls Auto einsteigen und nach Wolfurt fahren können.

Rückblick:

Für mich war diese Reise ein eindrucksvolles Erlebnis. Es stimmte mich nachdenklich, was vor über 20 Jahren am Beginn des Projekts gewesen sein muss und welche Chancen  trotz der jahrelangen Arbeit von Paul und Ursula die Kinder sowohl in Fan wie auch in Shkodra haben werden.

Herzlichen Dank an Paul und Ursula für ihr Arbeit und auch dafür, dass ich sie in diesem Herbst begleiten durfte.

Peter Heinzle






Albanienreise vom 28.05. - 04.06.2016
 
Am Samstag, den 28.5. kommen wir am Flughafen in der Nähe von Tirana an. Es ist bereits mein drittes Mal mit "Schüler helfen Schülern" in Albanien. Auch wenn schon ein bisschen Routinestimmung dabei ist, birgt das Land noch viele Überraschungen für mich.                                 Auf der Reise dabei sind Paul Wohlgenannt, Günter König und Manfred Strauß. Am Flughafen treffen wir unsere BegleiterInnen für den ersten Abschnitt: Ndue, Nikoll und Ida. Die Begrüßung ist herzlich, und nach wenigen Minuten geht es los in Richtung nach Fan,

   


 
Es ist schwer, die Reise in Worten wieder zu geben, da sich die ersten paar Tage so lang anfühlen wie Wochen oder Monate. Bevor man es jedoch realisiert hat, ist die Zeit dann doch auch schon wieder vorbei. Geblieben von dem Ganzen ist ein Gewirr aus Eindrücken, Gerüchen, Stimmungen,... Der Reisealltag unterschied sich im Großen und Ganzen nicht viel von den letzten twei Malen. Besorgungen machen, Familien besuchen, Schulen und SchülerInnen besuchen. Dazwischen kurze Spaziergänge und lange Fahrten im Geländewagen. Hin und wieder verarbeiten wir die Eindrücke in einem der zwei Cafes in Fan.

   



   


 
Die Schülerinnen und Schüler bringen eine beeindruckende Menge an Motivation in das Klassenzimmer mit. Beide Seiten, die Lehrpersonen ebenso wie die Sprösslinge präsentieren sich voller Stolz. Es wird beinahe gestritten, welche der SchülerInnen als nächste Lieder und Gedichte vortragen dürfen, während die LehrerInnen freudig ihre bunten Klassenzimmer zur Schau stellen. In den viereinhalb Jahren seit meinem ersten Besuch hat sich viel verändert und trotzdem wirkt einiges gleich. Mehr und mehr kristallisieren sich die Hauptschule und das Gymnasium in Fan zum eigentlichen Zentrum der "Stadt"
heraus. Denn es ist mehr als nur eine Schule. An einem Ort, in dem es nur selten Arbeit und so gut wie keine Industrie gibt, steht sie für Hoffnung.

   


 
Eine Abweichung der Routine ist eine Einladung bei dem Bezirksvorsteher der Region Mirdite. Er empfängt uns warm und beglückt Paul mit Geschenken. Es werden eine Plakette und eine gestickte Fahne überreicht und wir sind auf einen Kaffee eingeladen. Der Bezirksvorsteher versichert uns auch in der Zukunft eine gute Zusammenarbeit mit dem Projekt und den daran beteiligten Personen. Dies wird von unserem Team als nette Geste wahrgenommen und begrüßt.
Am Mittwoch lassen wir unseren Abend gemütlich ausklingen. Wir sitzen zusammen und es werden Witze gemacht, Märchen erzählt und über Geschichte debattiert. Am Tag danach sind wir alle etwas ausgelaugt vom vielen Lachen in der Nacht zuvor. Schwermütig verabschieden wir uns von Fan, den Leuten und deren Gastfreundschaft. Wir begeben uns auf den Weg nach Shkoder, wo wir uns von unseren bisherigen BegleiterInnen trennen.
Im ASTA Zentrum werden wir von Frida, Angjela und deren MitarbeiterInnen willkommen geheißen. Wir hatten das Glück, am ersten Tag mit einer tollen Aufführung empfangen zu werden.

   


 
Shkoder ist das Gegenteil zu dem wirtschaftlich stagnierenden Fan. In den letzten viereinhalb Jahren hat sich  viel verändert. Es gibt neue Fußgängerzonen, Geschäfte und Cafes sprießen aus dem Boden. Die Stadt wächst nicht zuletzt wegen der Landflucht in den ärmeren und ländlichen Regionen. Die neuen Bewohner, die von der Vorstellung eines besseren Lebens getrieben, in das Ballungsgebiet ziehen, werden hier oft von einer grausamen Realität überrascht. Die Armut in den Vororten ist noch schlimmer als auf dem Land, da die Leute hier nicht mehr die Möglichkeit haben, Selbstversorger zu sein. Rund um die Stadt entstehen Gettos. Wie so oft trifft diese Armut die am härtseten, die am schutzlosesten sind, Kinder.
Genau dort liegt der Fokus der Mitarbeiter des ASTA Zentrums. Sie haben es zu ihrer Mission gemacht. den Kindern der ärmsten Familien eine warme Mahlzeit pro Tag und Nachhilfeunterricht zu geben. Was aber wahrscheinlich noch wichtiger ist, ist das Gefühl der Geborgenheit und die Eingliederung in eine kleine "Familie", welche die Kinder hier erfahren. Sie wirken hell und aufgeweckt, ihr Umgang untereinander ist von Respekt geprägt und nicht selten wird man von ihnen mit einer spontanen Umarmung empfangen.

   


 
Als wir beim Verteilen von Nahrungsmitteln die Lebensumstände der Kinder noch besser erleben können, steigt die Bewunderung der geleisteten Arbeit. Die Jugendlichen kommen zum Teil aus katastrophalen Verhältnissen, die sie zurücklassen können, wenn sie das ASTA Zentrum besuchen. So behaupte ich, dass dies der beste Beweis für die Effektivität des Geleisteten ist.
Ich möchte die Gelegenheit ergreifen, mich bei jenen Personen, die diese zwei Projekte ermöglichen, den Betreuerinnen vor Ort, meinen österreichischen Begleitern und besonders bei den SpenderInnen zu bedanken.
Nach dieser kurzweiligen Woche bin ich wieder zurück in Österreich, doch muss ich gestehen, dass ein Teil von mir in Albanien gebieben ist.

Lukas Aberer ( Fa. Omicron )



  

 


Albanienreise Sept. 2015 Werner Scherl


 
Meine Eindrücke von Albanien und insbesondere vom Fan-Tal im Norden sind im Wesentlichen im Bericht vom September 2014 enthalten.
Die zweite Reise ins Projektgebiet war wieder geprägt vom Diktat eines dichten Terminkalenders, von intensiver Arbeit, von Berührungspunkten mit diesem Land, die einen verstummen lassen und solchen, die hoffnungsvoll stimmen. Sie war geprägt auch von Kurzbesuchen im quirligen und schnell wachsenden Tirana, vom Elend und Glanz in Shkodra und von der gemächlichen Gebirgsgegend des Fan-Tales, in der man fast gezwungen wird, sich mit der Langsamkeit der erhofften Veränderungen  abzufinden.
Der Flughafen in Zürich, wo man all den mitteleuropäischen Glanz und Komfort zurück lässt, war für mich wieder eine Art Tor zu einer anderen Welt:
Am selben Tag, nach insgesamt nur zwei Flugstunden und einer relativ kurzen Autofahrt befindet man sich im Lichtjahre entfernten Nordalbanien. Eigentlich wenig Zeit für eine so gravierende Umstellung …


Kurzbesuch am Ohridsee
 
Wir wollten das Wochenende als erholsamen Auftakt für die folgende Woche nützen und fuhren Richtung Osten. Es war eine Fahrt über fruchtbare Ebenen und über Bergketten, die das Land von den Küstengebieten abtrennen.



   

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Nur vereinzelt bekamen wir Touristen zu Gesicht, die sich, so schien es, hierher verirrt hatten.
Unzählige Kleinverkäufer säumten die Straßen und warteten geduldig auf Abnehmer.

   

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Feldarbeiter transportierten ihre Ernte nach Hause. Hauptsächliche Verkehrsmittel dabei: klapprige Kleinlastwagen, altertümliche Traktoren, vollbeladene Fahrräder, Maultier- und Eselkarren oder Leiterwagen. Das 21. Jahrhundert hat hier offensichtlich noch nicht Einzug gehalten.

   

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In der Nähe der westlich anmutenden Fremdenverkehrsstadt Pogradec am Ohridsee fanden wir dann eine Bleibe zum Übernachten.
Auf der Rückfahrt am nächsten Tag löste eine defekte Lichtmaschine bei einem unserer Autos hektische Handy-Aktivitäten aus, nach einer kurzen Wartezeit
wurden wir aber von Marc, unserem Schofför aus dem Fan-Tal, abgeholt.  


Wochenübersicht (19.-26.9.)


 
Schwerpunkt Lehrerfortbildung
Zwei Nachmittage waren für Bildnerische Erziehung reserviert.
Themen:   Mischen mit Wasserfarben — Grund- und Sekundärfarben
                Die Kinderzeichnung: Bedeutung, Entwicklung, Bildmotive, methodisch-
                didaktische Tipps, …

   

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Grete leitete das Seminar in Klos, jeder der dreizehn Teilnehmer erhielt eine reich bebilderte Broschüre in albanischer Sprache (Ida hatte alles übersetzt, für die Vervielfältigung danken wir der Gemeinde Wolfurt). Der Wissensdurst der Lehrer war groß, die Zeit wie immer zu knapp, insgesamt war es eine erfolgreiche Veranstaltung.

Besprechungen, Arbeitssitzungen und Gedankenaustausch mit dem Projektteam, mit den Schuldirektoren und den Studenten und Studentinnen in Klos, mit Nikollin, dem (erfreulicherweise) neuen Ortsvorsteher von Fan in dessen Büro im Gemeindehaus, Zusammenkunft mit dem ASTA-Team in Shkodra, Festessen im Elternhaus von Nikoll in Konaj …  

   

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Mehlverteilung im Schulzentrum Klos
 
und Besuch von bedürftigen Familien in Fan

   


Kontrollbesuch in der Bücherei in Klos
 
und Klassenbesuche in Shengjin, Petoq, Gjazeza, Domgjon,Klos

   


 
Einkauf von Lebensmitteln für Familienbesuche, Pizzaessen mit den ASTA-Kindern und Besuch ihrer Aufführung in einem Pfarrheim

   


Abschluss in Shkodra und Heimflug über die Bergspitzen der Alpen

   


Dank und Gratulation
 
an Paul (ein "Fan von Fan") und Ursula für diese ereignisreiche (und anstrengende) Woche.

Eure 20-jährigen Bemühungen waren erfolgreich und tragen sichtbar Früchte.

Faleminderit, Mirupafshim !


Unser Team im Fan-Tal:
 
Paul, Ursula, Grete, Werner
Ndue, Nikoll, Ida, Florjana, (Mark)